Unser Leben mit und ohne Tauchen
Nur wenn unsere Verwandten oder Freunde aus (Mittel-)Deutschland zu Besuch sind, fällt uns auf, wieviel dialekt-technisches Verständnis wir eigentlich mittlerweile schon aufgebaut haben. Auch wenn wir diesen Dialekt wohl niemals selbst werden sprechen können — zumindest sind wir mittlerweile so weit, dass wir (fast) alles verstehen. Unseren Besuchern geht es da oft anders….
Um Euch in Zukunft eine entsprechende, sprachliche Vorbereitung zu ermöglichen, werden wir hier einmal die wichtigsten Unterschiede zwischen dem so-genannten Hochdeutsch und vorarlbergerisch (xi-bergerisch) auflisten. Damit wären wir auch schon beim ersten Beispiel: Die Vorarlberger sind grundsätzlich immer “gsi” anstatt gewesen. Daher werden sie auch die Xi- (oder Gsi-)berger genannt.
Übrigens, liebe Xiberger: sollte irgendeine unserer Erklärungen auf dieser Seite falsch sein, sind wir natürlich für jeden Hinweis dankbar
— A —
abe
Wohl eine der größten Herausforderungen für Zugezogene wie uns. Abe bedeutet so viel wie “hinunter”. Man geht in den Keller abe, man scrollt am Bildschirm eine Seite abe und man schüttet sein Bier abe.
Wenn man es so liest, klingt es eigentlich recht einfach. Aber bis man sich wirklich dran gewöhnt hat, können Monate vergehen!
— B —
botschat
Ich hab überhaupt keine Ahung wie man das schreiben soll. Beschreibt aber eine etwas trottelige Verhaltensweise. Manche Menschen sind einfach botschat.
— D —
dütsch, Dütsche, Dütschland
Da eigentlich von morgens bis abends über die Deutschen gewitzelt wird, versteht man alles in diesem Zusammenhang relativ schnell. Sagt man hierzulande “i fahr ins Dütsche”, so fährt man nach Deutschland. (Meist nicht sehr weit hinter die Grenze
) Versteht man solche Sätze, ist aber erst das erste Level geschafft.
Level 2 ist da schon härter: Hat nämlich z.B. jemand die Weihnachtsgeschenke “duss kooft”, was soviel heißt wie “draußen gekauft”, dann redet man ebenfalls von Deutschland.
— G —
gsi
Ist ein Verb. Sieht man eigentlich auf den ersten Blick, oder?
Also: i bin gsi, du bisch gsi, er isch gsi. Zu deutsch: gewesen sein. Es dauert eine Zeit bis man das schnallt. Aber wenn es mal gefunkt hat, ist es eigentlich kein Problem mehr.
— H —
Häs
Kann auch als Wortkombination verwendet werden, wie z.B. in “Skihäs”. Das bedeutet aber nicht, wie etwa vermutet werden könnte, so etwas wie “Skihasen”. Das wäre ja zu einfach. Nein, Skihäs ist die Skikleidung, ein Skianzug… Häs ist ein Ausdruck für Kleidung / Klamotten /etwas zum Anziehen. Wenn also ein Mann auf der Suche nach “Skihäs” ist, muss man ihm nicht gleich unterstellen auf Brautschau zu sein…
Heil
Wird von vielen zum Gruß verwendet. — Jetzt aber nicht erschrecken, dies ist kein Überbleibsel aus den 30er Jahren, sondern wohl eher eine Verniedlichung des englischen Grußwortes “hi”. Außer “Heil” wird von einigen auch die Langform “H(e)i-le” verwendet. Alternativ: “Servus-Heile-Grüßdich” an einer langen Wurst gesprochen.
— J —
jucken
hat rein gar nichts mit einem Juckreiz zu tun. In Österreich (zumindest in Vorarlberg) juckt man vielmehr über Zäune und Bäche. (zu deutsch: springen, hüpfen)
— K —
körig
kommt wohl vom Deutschen Wort “gehörig” und bedeutet soviel wie “gut / sehr gut”. Wird allgemein geantwortet auf die Frage, wie es einem geht. Das klingt dann in etwa so: “Wie hondr’s kett?” (wie habt ihr’s gehabt?) — “Körig, körig. Und selbst?”
— M —
mol-mol
fragende Blicke ernten die Vorarlberger immer wieder von ausländischen Gästen, wenn Sie auf eine Frage mit “mol-mol” antworten – was nichts anderes als “Ja.” bedeutet.
— N —
nid hudla
Eile mag der Vorarlberger nicht unbedingt (auch wenn er als fleißig und pflichtbewusst gilt). Daher hört man des öfteren den Hinweis “Nu nid hudla” – was soviel bedeutet wie “Nur kein Stress!”
— P —
Paradeiser
Da kommt Ihr nie drauf! Paradeiser sind nämlich Tomaten!!
picken
In Vorarlberg picken nicht nur die Hühner sondern unter Umständen auch viele andere Dinge. Denn wenn etwas “pickt”, dann klebt es.
— R —
Ribisl-Wi
Seit unserem Besuch beim Vorarlberger Volkstheater ist Ribisl-Wi unser neues Lieblingswort. Sie spielten “Arsen und Spitzenhäubchen” in Mundart; ein entsprechender Bericht findet sich bei Sabine und Harald.
Ribisl bedeutet übersetzt “Johannisbeere”. Somit ist der Ribisl-Wi ein Johannisbeer-Wein. Klaro.
— S —
Sack
Was man bei uns daheim unter “Sack” versteht, muss ich glaub nicht näher erläutern. Dementsprechend überrascht waren daher anfangs unsere Blicke, wenn einem Vorarlberger “das Messer im Sack aufgeht”, er jemandem ein “Sacktuch” anbietet oder den Autoschlüssel “aus dem Sack” holt. In all diesen Fällen dreht es sich um Dinge in Hosentaschen. Das Wort Sack wird aber auch allgemeiner verwendet. Sack bedeutet soviel wie Tasche oder Tüte. Sacktuch = Taschentuch. Logisch.
schmecken
wenn die Vorarlberger etwas schmecken, dann ist Konzentration geboten. Dies kann nämlich einerseits bedeuten, dass sie tatsächlich etwas gegessen haben und es “gut schmeckt”. — Um die ganze Sache etwas undurchsichtiger zu machen, bedeutet “schmecken” aber auch soviel wie “riechen”. Das Wort “riechen” wird im Dialekt überhaupt nicht verwendet. Wenn also z.B. ein Stück Seife nach Lavendel “schmeckt”, muss man sich nicht gleich Sorgen um die berichtende Person machen… zu 99% hat diese nur an der Seife gerochen.
Schmelga (primär im Bregenzerwald verwendet)
Hier sind wir uns noch nicht ganz sicher, ob der Begriff geschlechtsspezifisch angewandt wird. (Sind hier nur Mädchen oder auch Jungs gemeint??) In jedem Fall beschreibt man damit Kinder mit einem etwas negativen Touch – ähnlich wie bei uns “Gören” oder “Blagen” würde ich sagen.
— T —
tschutta
man könnte es sich vielleicht irgendwie vom englischen “shoot” herleiten. Zumindest klingt es so ähnlich und es hat auch eine ähnlich Bedeutung, nämlich Fußball spielen.
— U —
uffe
ist genau das Gegenteil von abe und bedeutet soviel wie “hinauf”.
ummahüsla
ist auch eins meiner Lieblingsworte. Bedeutet soviel wie “herumfuhrwerken”, etwas Undefiniertes tun, mit etwas nicht fertig werden.
— V —
verhocken / verhängen
Man “ist verhockt / verhängt”, wenn man in Vorarlberg mit ein paar Leuten etwas länger als geplant an einem bestimmten Ort geblieben ist. Meist ist bei Verwendung dieser Redewendung auch Alkohol im Spiel gewesen. Bei uns sagt man dazu wohl “versackt”.
— Z —
z’Breand
bezeichnet die Jause am Nachmittag. Aufgrund der Vielzahl der möglichen Essenspausen am Tag kann nicht jede Jause Jause heißen. Daher unterscheidet man hier. Die Frühstücksjause zum Beispiel bezeichnet man als z’Nüne.
Zischtig
Manchmal ist es sogar schwierig, sich am richtigen Tag zu verabreden. Wer würde nämlich drauf kommen, dass Zischtig = Dienstag bedeutet?
Dived and Survived ist die private Website von Tanja und Markus. Sie dient vor allem dem Zweck, Freunden und Verwandten über unsere Aktivitäten zu berichten. Schließlich haben wir uns WEIT entfernt von der Heimat niedergelassen und können somit nicht regelmäßig persönlich berichten. - Wir freuen uns jederzeit über Kommentare und Grüße!
Harald
December 19th, 2008 um 6:28 am
Moatle, guat gmocht (alternativ: körig)
Unser Buchtipp (Für Dütsche und Zuagraste): Autor: Stefan Vögel / Klaus Lerch: Grüß Gott in Voradelberg
Und unser Spruch des Tages:
Red körig, odr.